So, da bin ich wieder mit einem Zwischenbericht! 

 

Ich hatte im letzten Kapitel geschrieben, dass sich der "General"einen gehörigen Kupplungsschaden eingefangen hat.

Sonntagmittag, geiles Wetter, die Sonne lacht, kein Regen in Sicht!

Einer, der bis jetzt wenigen Ausnahmetage in diesem Jahr, wo das Fahren mit einem Motorrad eigentlich so richtig Spaß machen kann.

 

Eigentlich!

 

Also, den Bock aus der Garage geholt, Klamotten an, und: Gib Gas!

Geplant war eine Tour nach Fedderwarden, Granat (Krabben) direkt vom Kutter holen. Frischer geht nicht! 

Mit der Fähre über die Weser und dann ab an die Küste

 

Auf dem Weg zur Fähre nach ca. 3 Km an der ersten "roten" Ampel schon Probleme mit dem Einlegen des ersten Ganges. Kupplung trennte nicht sauber. Widerliche Geräusche aus dem Getriebe, als ich den Gang dann aber doch noch schalten konnte.

 

Beim Schalten in die nächsten Gänge machte der Bock jedes Mal einen Sprung nach vorne und das arme Getriebe gab seinen Widerwillen gegen Schaltvorgänge mit einem Geräusch von sich, das einem schon Angst einflößen konnte.

 

Aber nicht nur das, das Moped wurde auch immer langsamer.

"Rutscht" die Kupplung?

 

An der nächsten "Roten" war dann Feierabend.

Runterschalten in den Leerlauf nicht mehr möglich. Gas weg und die Maschine wie einen waidwunden Hasen mit eingelegtem 3. Gang an den Straßenrand hoppeln lassen und abgewürgt.

 

Warum passiert das eigentlich immer da, wo sich viele Menschen aufhalten? Gegenüber meiner  vom "General"  befohlenen Zwangshaltestelle befand sich ein Speiselokal mit einer gut besetzten Außenterrasse.

Einigen Gästen wird mit Sicherheit nicht verborgen geblieben sein, wie ich den Bock zum Stehen gebracht habe.

Gott sei Dank , war ich weit genug weg, um mir die wahrscheinlich nicht sehr netten und spöttischen Kommentare anhören zu müssen.

 

Aber was soll`s ?

Ich hatte in dem Moment andere Sorgen. 

 

Da stand er , mein  "General" und hatte keinen Bock mehr sich zu bewegen.

 

Watt nu?

 

Über den Handschalthebel noch mal einen Gang eingelegt, Kupplungshebel gezogen, Maschine hin und her bewegt, aber keine Trennung zwischen Motor und Getriebe.

Das war`s dann wohl.

Also, Anruf zu Hause, meiner "begeisterten" Frau die Lage geschildert und sie gebeten, von meiner Stammtankstelle einen Trailer zu besorgen um mich und den "General"  hier abzubergen. 

 

Ich wiederhole jetzt nicht, wie sie sich über mein Motorrad geäußert hat, aber es waren einige Ausdrücke für die Maschine, die ich bis dahin noch nicht kannte und auch nicht kennen wollte (was ist eine Eierfeile?)

Auf jeden Fall widersprach die von ihr in diesem Moment gewählte  Wortwahl ihrer normalen Ausdrucksweise um einiges.  

Ich muss aber auch daran erinnern, es war Sonntagmittag, der erste warme Sonnentag und sie hatte es sich auf der häuslichen Terrasse gemütlich gemacht. Alles ist entschuldigt. 

 

Während der Wartezeit  auf Frau und Trailer durfte ich dann erleben, wie ein Motorradfahrer aus Rendsburg, der sich zu Besuch in Bremen aufhielt, stoppte und fragte, ob er helfen könne. Ich erklärte ihm die Situation und, dass da wohl nichts mehr zu machen wäre  und Hilfe bereits unterwegs sei. 

Wir haben dann noch `ne halbe Stunde Gequatscht, bis er sich verabschiedet hat.

 

Einfach nur toll, dass es für einige Leute ja wohl selbstverständlich ist, ihre Hilfe anzubieten, wenn sie sehen, dass  ein anderer Probleme hat.

Falls er das hier liest und sich an den Vorfall erinnert, noch mal meinen herzlichen Dank!  

 

So, die Gattin war eingetroffen und die Maschine recht schnell verladen.

Ich erspare mir jetzt das ganze Procedere, muss aber noch anmerken, dass ich mit meiner Frau am selben Abend noch in dem besagten Restaurant mit Terrasse essen war.

Hatte ich doch trotz allen Übels bemerkt, dass der Laden schon am Mittag voll war, was meistens auf eine gute Küche schließen lässt. So wars dann auch.

 

Montagmorgen.

 

Gleich an die Arbeit, Getriebe ausbauen. Eine Arbeit, die schnell erledigt ist.

Kaum hatte ich das Schaltwerk beiseite gelegt, so dass ich auf die Kupplung  des Motors gucken konnte, sah ich schon die Bescherung:  In der Kupplungsglocke lagen Teile von den Belägen der Kupplungsscheiben. Das war natürlich ein erster Hinweis darauf, warum das Teil versagt hatte.

Also Motor raus, und Kupplung zerlegen

 

 

 

Deutlich (Pfeile) sieht man Reste der zerbröselten Kupplungsscheibe

 

 

Zunächst habe ich versucht, die sechs Schrauben, die die Kupplung mit der Schwungscheibe verbinden, mit einem Schraubendreher zu lösen, was mir auch bei dreien von den Dingern gelang.

Die anderen drei saßen so fest, dass ich sie mit Gewalt (Schraubendreher mit durchgehender Klinge und Hammer) lösen musste.

Ging wider Erwarten aber  ganz gut, so dass ich jetzt alle Schrauben relativ leicht entfernen konnte.

 

Und dann lag er vor mir, der Haufen Schrott

 

Der Belag der  ersten  Kupplungsscheibe hatte sich teilweise von der Scheibe gelöst und lag jetzt zerbröselt in der Kupplungsglocke. 

 

 

Eine völlig marode Kupplungsscheibe 

 

 

 

Die Bohrungen der Zwischenscheibe völlig ausgeleiert und somit auch unbrauchbar

 

 

 

Noch ein Teil mehr für die Altmetallkiste.

 

 

 

Die Druckfedern hatten noch alle die gleiche Länge, so entschloss ich mich später, diese wieder einzubauen.

 

 

 

Insgesamt sechs Federn sorgen in Verbindung mit den Reibscheiben für einen sicheren Kraftschluss zwischen Motor und Getriebe 

 

 

Weitere wichtige Bauteile werden in Kürze den Weg des Recyclings gehen müssen:

 

 

 

 

Die Befestigungsschrauben, die Druckstange, der Druckpilz sowie das Drucklager gehen auf den Schrott

 

 

Nachdem ich mir die Teile noch ein Mal angeschaut hatte, tauchten Fragen auf:

 

1. Beim Zusammenbau der Teile muss der Gegendruck der Federn überwunden werden, um die

    Befestigungsschrauben montieren zu können. Mit welchem Werkzeug?

 

2. Die Kupplungsscheiben müssen so zentriert werden, dass die Antriebswelle des Getriebes beim Anbau     des "Schaltkastens" an den Motor, einwandfrei  in die Verzahnungen  der Scheiben passt .                  

    Dazu benutzen die Werkstätten einen so genannten Zentrierdorn, aber woher den so schnell nehmen?

 

Im Netz geistern zwar einige Tipps herum, wie man auch ohne Dorn klarkommt (Augenmaß, Flacheisen, Stemmbeitel usw.), aber ich werde mir bei Gelegenheit einen zulegen (so um die 15 €) zumal ich den in Zukunft öfter brauchen werde. 

 

Nun habe ich ja den Vorteil, wie ich schon mehrfach erwähnte, dass der Jörg Warnke seine Werkstatt ganz in der Nähe von Bremen betreibt. Was lag also näher, als den Motor in den Kofferraum meines PKW  zu verfrachten und mich auf den Weg zu machen um zum einen Ersatzteile zu beschaffen und zum anderen ihn zu bitten, mir die Montagewerkzeuge zur Verfügung zu stellen.    

 

Beides hat hervorragend geklappt.

Jörg hatte alle Teile am Lager und hal mir mit seinen Werkzeugen geholfen, so dass die neuen Kupplungsteile in kurzer Zeit  montiert waren.

 

Zu dem Spannwerkzeug muss ich noch anmerken, dass man sich das relativ einfach selber herstellen kann, in dem man eine  ca. 100mm  lange Schraube mit dem entsprechden Gewindedurchmesser des Gewindes (M8 Feingewinde)  für die Befestigungsschrauben  nimmt, eine zusätzliche Mutter und ein Stück Rohr sowie eine Unterlegscheibe 10mm darauf befestigt..

Das ganze in dreifacher Ausfertigung und schon seid ihr dabei.  

 

Ich war mal kurz im "Schrauberbunker" und hab so`n Teil in zwei Minuten angefertigt. 

Es soll aber nur zur Veranschaulichung dienen.

Ich werde mir aber mal Gedanken machen, wie man das Teil  in besserer Ausfertigung herstellen kann und dann hier veröffentlichen.

 

 

 

 

                                                                                Ein 2-Minuten Teil 

 

 

Also, davon braucht ihr drei Stück, die ihr, nachdem alle Scheiben eingebaut sind, in drei Gewindebohrungen der Schwungscheibe dreht. Leicht anziehen, den Zentrierdorn einsetzen und nun mit Hilfe des Federspanners soviel Druck auf die Scheiben ausüben, dass ihr drei Schrauben in die freien Gewindebohrungen einsetzen könnt.

 

Die Gewinde der Schrauben  vorher mit flüssiger Schraubensicherung (z.B. Loctite) behandeln. Das garantiert einen festen Sitz und vermindert die Gefahr, dass die Dinger sich lösen.

 

Schrauben leicht und gleichmäßig anziehen und die "Federspanner" lösen.

Nun die anderen 3 Schrauben ansetzen und ebenfalls leicht anziehen.

 

Jetzt alle sechs Schrauben über Kreuz  "anballern", den Kupplungsdorn entfernen und fertig.

 

Das ging ja alles recht fix.

Motor einladen und ab nach hause, das Triebwerk einbauen.

 

Wie der Bock läuft, schreibe im nächsten Kapitel.

 

Bis dahin

 

tolle Tage und unfallfreies Fahren wünscht euch

 

Budelmann 

 

P.S : Ein großes Dankeschön an Jörg, für die freundliche Unterstützung.

 

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