Hallo Schrauber!

 

Wir schlagen jetzt ein etwas längeres Kapitel auf, das einerseits sehr interessant , andererseits aber für viele, mich eingeschlossen, ein Buch mit sieben Siegeln ist:

 

Die Elektrik

 

Warum tun sich viele Leute so schwer mit Elektrik?

Liegt es daran, dass man Strom nicht sehen kann und darum nicht weiß, wie etwas funktioniert? Oder ist es ein Buch mit sieben Siegeln, das nur Profis aufklappen, lesen und verstehen können?

Ich weiß es nicht. 

 

Gleich vorweg, Strom ist auch nicht mein Ding.

Wenn ich nur daran denke, einen gewischt zu kriegen, weil ich den Zündkerzenstecker beim Überprüfen des Zündfunkens falsch angefasst habe, kommen mir die Nackenhaare hoch, aber nicht durch die Stromstärke, die reicht dazu nicht aus. 

 

Nun habe ich aber das Glück, dass meine Tochter einen begnadeten "Kabelaffen" (die Zunft der ehrenwerten Elektriker möge mir diesen Ausdruck verzeihen) geheiratet hat, der beruflich  zwar "nur" elektrische Anlagen entwickelt, aber praktisch auch noch zu gebrauchen ist.

 

An dieser Stelle noch mal danke, Marius !

 

Ich beginne mal mit den wichtigsten Technischen (elektrischen) Daten meiner M72:

 

Zündsystem     : Batteriezündung

Batterie              : 6 V, 14 Ampere 

Lichtmaschine : Gleichstrom, 6 V, 45 Watt

 

Einige, vor allem die Jüngeren unter euch, werden jetzt schmunzeln über diese nur 6V.  Verstehe ich, und wenn euch mal ein Fahrzeug mit "Funzelbeleuchtung" entgegenkommt, ist das entweder ein Oldtimer oder einer mit einer defekten Lichtmaschine, der noch versucht, mit dem letzten "Saft" aus seiner Batterie nach hause zu kommen.

Während meiner ersten Fahrt bei Dunkelheit, mit der alten Lichtmaschine und einer überdimensionierten Biluxim Scheinwerfer, habe ich immer darauf vertraut, hoffentlich gesehen zu werden. Selber die Fahrbahn mit der Beleuchtung  über eine längere Strecke einzusehen, war kaum möglich.

Also, runter mit der Geschwindigkeit und ab nach hause, um den Umbau der Beleuchtungseinrichtung zu planen.

Aber dazu später mehr. 

 

Liebe Leser, ihr könnt euch vorstellen, wie die Kabel, die Anschlüsse und Verbindungen, die Lampenfassungen usw. eines Motorrades aussehen, das über 50 Jahre alt ist und den größten Teil seines Daseins irgendwo rumstand und kaum gepflegt wurde .

 

   Nämlich so:

 

 

 

 

 

 oder so: 

 

 

 

           Das ganze Gelumpe ist Schrott 

 

 

Die Kabel sind schlampig verlegt und brüchig.

Feuchtigkeit ist unter die Ummantellung gekrochen und hat den Draht oxysieren lassen.

Die Kabelenden sind unsachgemäß an die Verbraucher angeschlossen worden usw.

Also, alles muss erneuert werden. 

 

                           

            Der Elektrik-Chef äußerst konzentriert bei der Arbeit 

 

 

 

Der Schaltplan

 

Wer das erste Mal einen solchen Plan in der Hand hat, neigt u.U. dazu, diesen mit einem Strickmuster für Tante Gerdas neues Sommerkleid zu verwechseln.

Es soll auch schon Leute gegeben haben, die das Teil für einen Stadtplan hielten und verzweifelt darauf eine Straße suchten.

Kann uns nicht passieren, sind wir doch alle klug! 

 

Um die einzelnen Komponenten wie z.B Licht- und Zündanlage, Zündschloss usw richtig miteinander zu verbinden, bedarf es natürlich eines Grundwissens  über (Kfz) Elektrik und darüber, warum der Strom von hier nach da fließt, bzw. fließen muss:


Dieses Wissen kann man sich aneignen, in dem man z.B. einschlägige Literatur liest ( Klassiker "Der Kupferwurm" v. Carl Hertweck ISBN 3-613-02548-5)) oder man hat, wie in meinem Fall, einen Fachmann an seiner Seite, der einem die Dinge erklärt, und zwar so, dass man sie auch versteht., 

 

Um sich einen Überblick über  das Wirrwarr von Kabeln und Steckern zu verschaffen und um später evtl. auftretende Fehler  in der elektrischen Anlage einkreisen zu können, benutzt der Fachmann (auch der Laie) u.a. eben einen solchen  Schaltplan.

 

Dieser wird bei der Konstruktion eines Fahrzeugs erstellt und ist später für die Mechaniker (Kfz-Elektriker) einsichtbar, die sich damit ein genaues Bild von den Zusammenhängen der elektrischen Schaltungen machen können.

Bei modernen  Fahrzeugen mit all ihren elektronischen Bauteilen ist ein solcher natürlich unabdingbar, auch wenn dem Mechatroniker bei der Fehlersuche eine entsprechende Software des Motortesters hilft. 

 

Aber unsere alten Kisten verfügen über keinen Zentralstecker für den PC, der uns sagt, wo es klemmt, aber dafür sind die Komponenten der elektrischen Anlage ja auch halbwegs überschaubar und jeder einigermaßen begabte (Kfz-)Elektriker oder Mechatroniker sollte da durchblicken, haben wir doch nur:

 

Die Batterie,

die Lichtmaschine

den Regler

die Zündanlage icl. Zündschloss  

die Beleuchtungseinrichtung

und die Schalter 

 

miteinander zu verbinden.

 

Also: Schaltplan zeichnen. 

 

Ein erster Entwurf, aber schon durchaus brauchbar.

Es muss nicht immer eine CAD-Zeichnung sein 

 

 Kabelbäume gibt es in allen Variationen zu kaufen, auch für die URAL

 Einige Anbieter haben sich darauf spezialisiert , Kabelstränge nach Maß anzufertigen .

Dazu braucht  man aber meistens als Vorlage den alten Strang, und der ist in vielen Fällen vom Vorbesitzer schon mal geändert worden, sei es, um neue Verbraucher anzuschließen, oder weil einige Leitungen immer irgendwie im Weg waren. Der hat die Längen natürlich  großzügig berechnet und den Rest an Kabeln irgendwo untergebracht, so dass, wie beim General, manches Knäuel entwirrt werden musste.

 

Ich meine, einen solcher Strang lässt sich mit etwas Geschick  selber herstellen. Billiger allemal und individuell nach den persönlichen Bedürfnissen gefertigt. 

 

 Ihr könnt natürlich auch alles ausmessen und nach den aufgenommenen Maßen bestellen.

Ich glaube aber nicht, dass das passt, weil ihr wahrscheinlich beim späteren Anschließen an die Verbraucher doch wieder das eine oder andere ändern müsst. 

Einfacher und natürlich kostengünstiger ist es, wie gesagt,  sich Kabel in den erforderlichen Farben zu beschaffen um sich einen individuellen Kabelbaum "zu basteln". 

Darüber hinaus hat man  die Möglichkeit, die Kabel an die Anschlüsse der verschiedenen Verbraucher mit unterschiedlichen Verbindungen (Ringkabelschuhe, Flachstecker, Schraubverbindungen etc.) anzupassen.

 

Tipp: 

 Wichtig: Die Längen der Leitungen nicht zu knapp bemessen und nicht zu eng montieren.  Immer im "Bogen" verlegen, so dass diese durch äußere Einflüsse oder bei Stürzen nicht durch Überdehnung an ihren Verbindungen abreißen, sondern ein gewisses "Reck" haben um diese auszugleichen.   

Achtet auch auf scharfe Kanten, an denen sich die Kabel aufreiben können. Bei der dann entstehenden Verbindung zur "Masse" kommt es unweigerlich zum Kurzschluss.

 

 Eines noch: Ich empfehle euch, wenn ihr die Kabel selber anfertigen wollt, legt euch das entsprechende Werkzeug zu.

Was ihr braucht, ist eine vernünftige automatische Abisolierzange, Preis ab ca. 20 €, eine Presszange, auch Crimpzange (ca. 30 €) genannt.

Dazu natürlich einen Satz Kabelschuhe und vernünftige Elektro-Schraubendreher.

Versucht gar nicht erst, das Kabelende mit einem Taschenmesser von seiner Umhüllung zu befreien, klappt

meistens doch nicht und um Kabelschuhe aufzupressen taugen auch die meisten Zangen aus dem Universal-Werkzeugkoffer  nichts.

Also beim nächsten Geburtstag ganz nach oben auf die Wunschliste. 

 

So Freunde, ich werde hier nicht weiter auf Klemmenbezeichnungen, Kabelfarben usw. eingehen.

Dafür gibt es hervorragende WEB-Seiten, auf denen sich die Autoren auslassen über allerlei Elektrisches.

Eine davon ist diese hier:  http://www.kfz.josefscholz.de    da findet ihr eigentlich alles.

 

Dafür wende ich mich jetzt den einzelnen Komponenten zu und werde beginnen mit der

 

Batterie

 

Als ich die Maschine erwarb, war sie fast komplett. Aber nur fast. Neben ein paar Kleinigkeiten fehlte auch die Batterie. Also musste eine neue her.

Laut Handbuch verlangt das elektrische System Saft aus einem 6V/14Ah Akku.

Ich konnte mich daran erinnern, dass ich beim "Alten Herweg" in seinem Buch "Der Kupferwurm" gelesen hatte, dass 14 Ah für eine 60 W Anlage eigentlich Minimum sein sollten.

Die eingebaute Lichtmaschine liefert 45 W. Also würden nach obiger Aussage ca.10 Ah Minimum reichen. Ich war also mit 14 Ah im grünen Bereich.

 

Da ich ein Freund von Qualität bin (billig kostet doppelt !) habe ich mich durchs Internet gekämpft, auf der Suche nach etwas Brauchbarem und um Preisvergleiche anstellen zu können.

Beim Surfen stößt man unweigerlich auf zwei Typen von Akkus, die

 

- Blei-Säure-Batterie (Nass-Akku) und die 

- Gel-Batterie (geschlossenes System) 

 

Aber welcher Stromspeicher ist nun der Bessere?

 

Vorteil der Gel gegenüber dem Blei-Akku:

 

- Wartungsfrei

- Geringste Selbstentladung

- Konstante Kaltstartleistung während der gesamten Lebensdauer der Batterie

- Verträgt sehr gut auch stärkere Vibrationen, dadurch verlängerte Lebensdauer

- Muss nicht unbedingt vertikal eingebaut werden. 

 

Nachteil:

Zum Laden der Batterie ist ein spezielles Ladegerät erforderlich, mit dem man sowohl Blei-Säure-Akkus als auch Gel-Akkus laden kann 

 

Die Preise, für die Blei-Säure- Batterien, und  für den Gel-Akku, liegen so um die 30 €.

Aber Achtung: Bestellt ihr bei einem Internet-Händler, kommen evtl. noch Versandkosten und Pfand für die Batterie dazu. Da kommen leicht noch mal 15 € oben drauf.

 

Ich bevorzuge da lieber meinen Kfz-Teile Händler vor Ort. Der berät mich umfassend und ich spare Bares!  Ja, aber: Pfand gibt es ja zurück! Rückgabe aufgrund der Gefahrengutverordnung im Versand nicht möglich.

 

So, jeder muss nun für sich entscheiden, welcher Stromspeicher  für sein "Eisen" der Richtige ist.

 

Pflege und Wartung

 

Eine Batterie kann man nicht pflegen!

 

so schreibt es C. Hertweck in seinem "Kupferwurm" und man möge ihn doch wegen dieser Aussage erschießen! Er wusste wohl, welcher Aufschrei nach seiner Aussage damals durch die Motorwelt ging. 

Hatten  doch alle Fahrzeugbesitzer seinerzeit schon einmal irgendwo gelesen oder gehört, dass die Batterie durchaus einer gewissen Pflege bedarf  

Aber nach seiner Theorie ist es so, dass ein Akku in einem richtig eingestellten Bordnetz keinerlei Pflege benötigt. Selbst ein Auffüllen mit destiliertem Wasser erschien ihm nur äußerst selten von Nöten zu sein.

Gut, dieses Buch erschien Anfang der 1960 Jahre. Zu der Zeit, als es im Motorradbau noch keine wartungsfreien Batterien gab, schon eine gewagte These.

Heute sind wartungsfreie Batterien natürlich eine Selbstverständlichkeit.

 

Aber trotzdem möchte ich hier noch anfügen:

Ich habe auch eine "wartungsfreie" Batterie eingebaut, aber:: 

1x im Jahr trenne ich die Batterie vom Bordnetz, reinige mit einer Messingbürste die Pole und Kabelschuhe und fette sie leicht mit Polfett ein um eine Oxydation zu verhindern.

Ich finde, ein absolutes muss und wenn das keine Pflege oder Wartung ist, was dann ?

 

Sollte es einmal durch einen technischen Defekt oder andere Umstände zu einem Säureverlust kommen, ist dieser mit destilliertem Wasser wieder auszugleichen und zwar nur bis zum Max-Strich, der auf dem Akku angebracht ist.

 

Wem ist das nicht schon einmal passiert. Bock abgestellt und einen Verbraucher angelassen. Meistens ist das Licht angeblieben und hat den Saftspender leergelutscht, oder ein "Stiller Verbraucher" hat sich eingeschlichen. 

Passiert einem das Malheur irgendwo in der Pampa, dann man Gute Nacht (Licht ist ja schon aus)!

Bleibt eigentlich nur der Abschleppdienst, denn wer kann einem mit einer 6V Anlage an Bord schon Starthilfe geben? 

Vor der eigenen Haustür oder in der Garage ist das Problem nicht ganz so groß, so man denn über ein Ladegerät verfügt.

Also: Als Erstes die Ursache für den Saftverlust feststellen. Lag es am Licht, ist meistens der Lichtschalter noch eingeschaltet.

 

Ich hatte das Problem mit meinem Auto am Flughafen. Nach dem Urlaub rein ins Auto und: Nichts. Nicht einmal mehr die Kontrollleuchten im Armaturenbrett taten es. Also alle Schalter kontrolliert und siehe da: Der Schalter für die Innenraumbeleuchtung stand auf "on". Diese kleine, vielleicht 10W Birne hatte die Batterie leergesaugt.

 

Gehen wir mal davon aus, dass bei eurem Motorrad das Licht eingeschaltet war und  für den Black Out gesorgt hat.

Dann Batterie ausbauen.

Ist im elektrischen System der Minuspol der Batterie an Fahrzeugmasse gelegt, immer zuerst diesen lösen. Solltet ihr beim Hantieren mit einem Werkzeug aus Versehen an Masse kommen, passiert nichts, da der Pol sowieso an Masse liegt.

Löst ihr erst den Pluspol und kommt dabei an Masse, kommt es zu einem Kurzschluss, der im günstigsten Fall nur die Sicherungen durchhaut, durchaus aber auch den Akku in die ewigen Jagdgründe schicken kann.

Also Vorsicht, und immer schön konzentriert arbeiten. 

 

Laden
1. Ausgebaute Batterie reinigen
2. Polanschlüsse mit einer Messingbürste oder mit Schmirgelleinen blank putzen.

3. Evtl. destilliertes Wasser bis zum Max.-Strich auffüllen
4. Batterie an Ladegerät anschließen: zuerst Pluspol anklemmen, dann Minuspol. Bei Blei-Säure-Batterien         unbedingt ALLE Stopfen entfernen!

5. Ladegerät einschalten, Batterie mit kleiner Ladespannung laden.
    Beim Laden dürfen die auf der Batterie (oder im Beipackzettel einer neuen Batterie) angegebenen              

    Ladeströme und Ladezeiten nicht überschritten werden, weil dadurch die Batterie beschädigt werden  

    kann.

5.1 Normalladung mit 1/10 der Amperestärke der Batterie. Ungefähre Ladezeit: ca. 5 - 10 Stunden.

6. Batterie vom Ladegerät abklemmen. Zuerst Minus dann Plus.

 

Batterie säubern und  ca. 1 Stunde "ruhen" lassen, also nicht sofort einbauen.

 

Ladezustand kontrollieren

 

Auf dieser Seite wird alles vom Feinsten beschrieben 

 

http://www.gs-classic.de

 

So, Freunde, das war`s für heute.

 

Weiter geht es beim nächsten Mal mit der Lichtmaschine und dem Regler.

Gute Fahrt und passt auf euch auf!  

Gruß

Budelmann 

     

 

770232