In eigener Sache: Die Veröffentlichung des Kapitels 7 ist schon eine ganze Weile her und mit den News bin ich auch nicht auf dem Laufenden. Familiere Gründe, die Komplettsanierung eines Hauses, Berichte für andere Zeitschriften schreiben, die Feiertage, alles hat mich daran gehindert, meine Website so zu pflegen und zu aktualisieren, wie es sich gehört.

Ich kann mich dafür nur entschuldigen und hoffen, dass diese angenommen wird.

Ich versuche mich zu bessern, aber auch in diesem Jahr stehen wieder einige Projekte an, die wahrscheinlich zu Verzögerungen bei der Aktualisierung führen werden. Ich versuche aber, diese so gering wie möglich zu halten.

Grüß euch alle

Budelmann

 

 Kapitel 8  

 

Ich hatte am Ende des Kapitels 7 geschrieben, dass ich, beginnend mit dem Kapitel 8, über die Restauration des Rahmens und der Anbauteile  beginnen werde.

In der Zwischenzeit habe ich mir aber überlegt, dass es mehr Sinn macht, mit der Technik weiter zu machen, so dass ich im Kapitel 8 mit der Überholung der 

 

Bremsen 

 

weitermachen werde.

Ich hoffe, dass euch das Recht ist. Scheint mir vom Ablauf her sinnvoller.

 

Na dann: 

 

Wenn ich meinen "Bullen" zur Ruhe zwingen muss, stehen mir,  wie heute bei modernen Maschinen kaum  noch üblich, sowohl  die Vorderrad- als auch die  Hinterradbremse als so genannte Backenbremsen zur Verfügung.

Moderne Maschinen sind heute natürlich längst mit den im Fahrzeugbau üblichen  Scheibenbremsen ausgerüstet. 

 

Diese  Aluminiumbacken, die beim  Betätigen  des Innenzughebels am Lenker  das Vorderrad abbremsen oder mit Hilfe Fußbremshebels das Hinterrad am Weiterdrehen hindern, sind durch einen Bowdenzug und über ein Gestänge mit einem Hebel verbunden, der die Bremsnocken spreizt und damit die Backen gegen dir Bremstrommeln drückt, damit Reibung erzeugt wird, die die Bremswirkung auslöst

 


Zwei Rückholfedern ziehen die Backen nach erfolgtem Bremsvorgang wieder in ihre Ausgangsposition zurück, das Rad dreht wieder.

 

Ein Tipp von mir:

 

Beim Montieren der Bremsbacken hägt die Federn vorher ein und drückt dann die Backen in die richtige Position.

Wenn ihr keine Federzange habt, fummelt ihr euch sonst tot. 

 

 Diese Art von Bremse wurde, wie oben schon angedeutet,  lange Zeit, bis zur Entwicklung der hydraulischen Scheibenbremse, auch  in diverse PKW (u.a. VW Käfer) verbaut. Lang, lang ist`her! 

 

 

 Die Hinterradbremse mit den Bremsbacken, Rückholfedern und Bremsnocken. Außen zu sehen, der Hebel für die Aufnahme des Bremsgestänges Achtung: Es wird nicht die korrekte Stellung angezeigt! Die ergibt sich nach her bei der Einstellung! 

 

 Wie ihr auf dem Foto sehen könnt, habe ich alle relevanten Teile der Bremsanlage erneuert.

Am Anfang stellt sich dem Schrauber natürlich die Frage: Soll ich die Backen neu belegen, oder kaufe ich komplett neue?

Der erste Gedanke ist natürlich: Was kostet was?

Belege gibt es das Stück ab ca. 4 €, die Backen ab  ca. 15 €.

 

Also kosten mich:

 

4 Belege ca. 16 € 

1 Dose Reiniger ca. 3 € 

1 Dose Kleber ca. 16 € (reicht für 20 Belege)  

insgesamt also ca. 35 € 

 

Da ich nur 4 Belege klebe, bleibt in der Dose ein Rest für ca. 16 Belege, und der trocknet euch garantiert ein, weil ihr ja nicht jedes halbe Jahr die Bremsen neu belegt.

Dazu kommt das KnowHow, das man beherrschen muss, um Bremsen neu zu belegen.

Die neuen Beläge müssen absolut plan an den Backen anliegen, um ein "Federn" der Beläge beim Bremsen zu vermeiden. Dazu bedarf es eines gewissen Anpressdruckes. 

Man braucht also eine Vorrichtung für diese Arbeit, aber wer hat die schon

Und der Kleber? Was ist, wenn ich minderwertige Ware erwische ? Ich mag nicht daran denken.

 

Fazit:

Selber belegen: 

Kosten für vorne und Hinten ca. 35 €

Komplette Backen für vorne und hinten: ca. 60 €

 

Die zusätzliche Arbeitszeit für das Belegen  habe ich hier bewusst vernachlässigt, ist eben Hobby.

 

Also: Rechnet sich meiner Meinung nach nicht. Trinkt lieber eine Kiste "Bölkstoff" weniger und investiert in die kompletten Backen. 

 

Ich habe 4 komplette bestellt, die ich aber nachher umtauschen musste.Grund: Siehe unten!

 

Die Bremstrommeln des Generals wiesen keinerlei Riefen oder sonstige gravierenden Veränderungen auf, so dass mir glücklicherweise das Ausdrehen der Trommeln erspart blieb.

Das kann, wie mir ein Dreher erklärte, u.U. teuer werden, da sich nicht alle Drehbänke dafür eignen und evtl. eine Werstatt, die sich darauf spezialisiert hat, beauftragt werden muss. Und das kann kosten!

Also auch hier darüber nachdenken, ob sich eine Neuanschaffung nicht eher rentiert.

 

 

 

Gegönnt habe ich dem General noch ein paar neue Innenzughebel mit den passenden Zügen, sowohl für die Vorderradbremse, als auch für die Kupplung.

 

 

Bei den Zügen ist es wichtig, dass diese keinen oder nur sehr geringen "Reck" aufweisen. Das heißt, dass sie sich nur wenig in der Länge dehnen. 

Eine gute Auswahl findet ihr hier: 

 

www.schreiber-zweiradshop.de

 

So, alle Teile neu, nichts kann mehr passieren. 

  

Dachte ich! 

 

 Bis zur ersten Probefahrt.

Das Bremsverhalten der Maschine war, trotz sorgfältiger Einstellung,  nur  befriedigend. Gut,  ist wohl gewöhnungsbedürftig, muss meine  Fahrweise eben darauf einstellen, ging mir durch den Kopf. 


Falsch gedacht!


Klappte nur bis zur Vorführung beim TÜV.  Bei der Vollabnahme stellte der Prüfer natürlich die unzureichende Bremswirkung fest. Trotz intensiver Versicherung meinerseits, die Bremsanlage überholt und sorgfältig eingestellt zu haben, energisches Kopfschütteln: „So nicht“!  Also keine Plakette. Zu meiner Überraschung ließ er mich aber noch die ca. 20 Km nach hause fahren. Sind die Blaukittel doch sonst bei Bremsmängeln so pingelig. 

 

Also wieder einmal recherchieren, woran es liegen könnte. Und siehe da, in einem Katalog fand ich Bremsbacken mit einer Breite von 25mm und 35mm. Die vom Vorbesitzer der Maschine eingebauten Backen hatten eine Breite von 25mm, waren demnach also zu gering dimensioniert.

Entweder war der nie beim TÜV, oder hatte dort `nen guten  Kumpel.  

Ich besorgte mir die 35mm Dinger, baute sie ein und eine deutliche Verbesserung der Bremswirkung sagte mir, alles ist gut.

Der „General“ ging später ohne Mängel durch den TÜV.

 

Das Überholen der Bremsanlage einer M72 ist eigentlich eine überschaubare Angelegenheit, trotzdem 

 jetzt noch etwas ganz Wichtiges:

 

Wenn ihr euch nicht absolut sicher seid, eine Bremsanlage zu überholen, lasst die Finger davon.  

Die Einstellungen, die richtige Positionierung der Hebel, erfordern schon eine gewisse Kenntnis über die Funktionsweise der Bremse. 

Nur wenn ihr euch zu 100 %  sicher seid, geht dabei. Bei nur 99 % gebt das Teil in die Werkstatt,  ihr gefährdet sonst euch und andere!

 

So, dass war`s mit den Bremsen, weiter geht es im nächsten Kapitel mit der Elektrik.

Für mich der reinste Horror, ich hab ich keine Ahnung, aber wofür hat man Schwiegersöhne. 

Bleibt gesund!

Gruß

Budelmann     

 

 

 

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