So, nun aber zum 2. Teil:

 

Jetzt geht`s richtig los!

 

 

Der Motor

 

 Ein erster, einfacher Motortest sollte mir einen groben Eindruck über den Zustand des Triebwerks geben. Also Kerzen raus, MoS2 rein, kurz einwirken lassen und vorsichtig das Anlasserpedal (dieser Ausdruck stammt aus dem Pass für ein Motorrad mit Beiwagen, UDSSR, Ministerium für Maschinenbau, 1954) nach unten gedrückt.  Und…., beide Kolben glitten scheinbar in ihrem stählernen Mantel dahin als, hätten ihnen die 10 Jahre in den „Brennnesseln“ überhaupt nichts anhaben können. Ich war natürlich begeistert, aber wie es meistens so ist: Hinten kackt die Ente! Denn kurz darauf kam die Ernüchterung. Um die Kompression zu messen, drehte ich die Kerze vom rechten Zylinder wieder rein und schloss das Messgerät am linken Zylinder an. Anlasserpedal betätigen, Anzeige auf dem Prüfgerät: 0 in Worten: NULL, Null-Kompression! Kerze rechts raus, links rein, Pedal getreten: Anzeige 2 bar. Nicht optimal, aber immerhin Kompression auf einem Zylinder.

 

 Meine Überlegungen zur Ursache des Schadens am linken Zylinder gingen vom abgerissenen Pleuel über defekte Kolbenringe zu hängenden Ventilen.

 

 Die Sache mit dem vermutlich abgerissenen Pleuel lässt sich leicht klären: Kerze raus, einen Schweißdraht bis zum Kolbenboden führen und Pedal betätigen. Der Schweißdraht sollte sich jetzt im Zylinder auf und ab bewegen. So war`s denn auch bei meinem Motor. Kurzes Aufatmen, aber damit war nur eine Vermutung ausgeschlossen. Also: Zylinderköpfe runter. Wer jetzt aber meint, kein Problem, passende Nuss mit Knarre und Verlängerung und einfach abschrauben, der irrt. Die Zylinderköpfe bei den alten Russen sind mit so genannten Vierkantschrauben befestigt. Wer hat dafür schon einen passenden Schlüssel, geschweige denn eine eigene Nuss ? 

 

Deutlich ist der Viereckige Schraubenkopf zu erkennen

 

 

Also, eine Schraube eingepackt und ab  zum Werkstattausstatter, aber Fehlanzeige. Auch hier war nichts Passendes am Lager. Da aber ein guter Verkäufer niemals aufgibt bis er eine  Lösung gefunden hat, konnte ich doch noch ein halbwegs passendes Werkzeug mit nach hause nehmen: Eine 14ner Vielzahn-Nuss! Später habe ich dann übers Net einen original Schlüssel gefunden.

 

 

Ab nach hause und Köpfe abschrauben.

 

 

Überraschenderweise ließen sich alle Schrauben ohne größeren Widerstand lösen, so dass ich schon nach kurzer Zeit die Ursache für die fehlende Kompression am linken Zylinder feststellen konnte: Ein hängendes Einlassventil war dafür verantwortlich, dass ich gleich am Anfang meines Restaurationsabenteuers graue Haare bekam. 

Aber der Motorengott hatte ein einsehen: Ein leichter Schlag mit dem Hammerstiel gegen den Ventilteller und das Teil sprang in seinen Ventilsitz zurück, als hätte es diesen niemals verlassen.

 

Jetzt ran an den rechten Zylinder. Kopf runter, kucken wie es da aussieht.  

 

Noch mehr graue Haare: Auf dem Kolbenboden stand Motorenöl, in dem sich jede Menge Eisenspäne befanden. Ursache….?.

 

Also, jetzt erst einmal den Motor ausbauen, dann sehen wir weiter. Vorher habe ich noch die beiden Köpfe montiert und mit je 2 Schrauben befestigt, so dass ich den Motor als komplette Baugruppe in den Schrauberbunker bringen konnte Der Ausbau gestaltete sich als nicht allzu schwierig. Bittet aber einen Kumpel mit anzufassen, das Teil wiegt doch einiges.Wie ihr auf dem unteren Bild sehen könnt, habe ich vorher die LiMa ausgebaut. Fotografiert die Anschlüsse oder macht euch Notizen welches Kabel (Farbe) wo an der LiMa gesessen hat  

 

 

  

                     Der ausgebaute Motor, für manchen ein Teil für den Schrottplatz

 

 

Nun geht`s ans Zerlegen. Die Köpfe wieder runter und die Zylinder abnehmen. Nächste unangenehme Überraschung: Am Kolben des rechten Zylinders war ein Kolbenring gebrochen. War das die Ursache für das Öl und die Späne im Zylinder ? Ich weiß es bis heute nicht, vermute es aber. Aber als wäre der Schaden nicht schon groß genug, nein, es kommt noch dicker. Beide Kolben und Zylinderwände wiesen so tiefe Rillen auf, dass diese deutlich mit dem Fingernagel zu ertasten waren.

 

Der Kolben des rechten Zylinders

Deutlich sind die Riefen zu erkennen

 

 

   

Schöne Sch……!

Also was machen? Das Teil auf den Schrott schmeißen und den Rest der Maschine in Einzelteilen verscherbeln? Bringt zumindest den Kaufpreis wieder rein.

Aber jetzt schon aufgeben? Niemals, es gibt ja noch Jörg Warnke!   

 

Das war´s für heute, ich hoffe ihr schaut wieder rein, bis dann,  

 

Euer

Uralbändiger

Budelmann

 

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