Hallo Schrauber!

Auf geht`s, ein neues Kapitel ist fertig.

 

Wie ihr sicherlich bemerkt habt, sind die ersten Fotos von den Maschinen unserer Gäste eingestellt.

Den Anfang macht  Dirk aus Karlsruhe mit seiner M72.

Ich hoffe, es werden nicht die einzigen Bilder bleiben.

 

Kapitel 11 

 

Der Seitenwagen (Beiwagen, ( Boot))

 

 Als ich die Maschine vom Vorbesitzer abholen wollte,  stand sie -ihr erinnert euch noch? - zwischen mannshohen Brennnesseln. Wahrscheinlich ist dieses "Gemüse" die Lieblingsspeise unserer heimischen Bänderschnecken.

Anders kann ich mir nicht erklären, warum die sich gerade den  Beiwagen als Unterschlupf für ihre Großfamilie ausgesucht hatten. Die Nähe zum Fressplatz war wohl doch zu verlockend!  

 

 

 

                                                                      Jede Menge Schnecken

 

Zuhause galt es dann den Beiwagen vom Motorrad zu trennen. Ein einfache Arbeit. 

Der Beiwagen ist am Motorrad an vier Punkten befestigt:

Die oberen Befestigungen bestehen aus zwei einstellbaren Verbindungsstangen,

die unteren aus zwei Zangenscharnieren.  

Schrauben der Verbindungsstangen am Motorrad entfernen. Die unteren Schrauben für die Scharniere soweit lösen, bis sich die Scharniere aus dem Kugelbolzen ziehen lassent.Fertig.

Sollte man aber zu zweit machen. Der Bock könnte nämlich umkippen. 

 

 

 

                                                                       Der Rahmen des Seitenwagens 

 

 Das Boot

 

 

 

 

lag nun frei da und konnte, nachdem auch noch die Schneckenkissen entfernt wurden, genauer auf seinen technischen Zustand hin untersucht werden.

Erster Eindruck: Erbärmlich!

Im Bodenbereich teilweise durchgerostet. Die "Rundumverbeulung" glich eher dem Weserbergland mit seinen Höhen und Tiefen, als einer einigermaßen glatten Oberfläche.

Was tun?  

So große Flächen zu richten, war nicht mein Ding. Also, das Teil auf den Hänger geladen und ab zum Beuler (Lackierer).

"Moin Öser" (wir duzten uns mittlerweile), "Moin Lodda" (ein Bremer mit Migrationshintergrund schnackt norddeutsch) "Wat is?" wollte er wissen.

"Guck dir mal das Teil an, kannste den ausbeulen?"

"Können schon, aber schweißen, ausbeulen, spachteln usw. wird teuer!" "Wie teuer?" "So um die 350€ und gestrahlt werden muss der auch noch!" 

"Heißt dein Onkel Ali Baba?" fragte ich ihn. "Ohne Lackieren!" fügte er mit einem süffsanten Lächeln hinzu.

"Ich überlege es mir, melde mich!".

Ich rauschte vom Hof.

 

                                                                                                                                                                                                                                                                           Wenn ich für das Strahlen und das Beulen mit  ca. 450-500 € dabei bin, muss ich mir natürlich überlegen, ob ich nicht gleich ein neues Boot kaufe 

Ebensolche werden bei den einschlägigen Händlern für rund 400 € angeboten. Allerdings kommt noch Fracht hinzu, ca. 100 €.. Also alles in allem 500 €. Wohlgemerkt, o h n e Lackierung

Vorteil: Keine Prestolit Außenhaut und grundiert.

 

Aber, wenn man restauriert, sollte man sich nicht selber unter Druck setzen. Also erst einmal nach Alternativen suchen.

 

Was liegt näher, als zuerst mal bei Ebay reinzuschauen?  Wie werben die doch so schön: Eins, zwei, meins

 

Man muss auch mal Glück haben!

Tatsächlich wurde ein M72-Boot angeboten und ich erhielt den Zuschlag bei 170 €. 

In der Beschreibung stand: Keine Beule, defekte Bleche ausgeschnitten, neue eingeschweißt, alle Schweißnähte geschliffen, Bleche ausgebeult und gespachtelt, Boot gestrahlt. Dazu die Bilder: Alles schien gut.

 Während eines Telefonats mit dem Verkäufer zwecks Termin für das Abholen des Seitenwagens, einigten wir uns auf das darauf folgende Wochenende und über die Bezahlung bei Abholung 

 

Samstagmorgen: Anhänger angekoppelt und ab nach Bersenbrück, dort stand das Teil.  

Als wir dort ankamen, traute ich meinen Augen nicht. Das Teil sah genau so aus, wie bei Ebay beschrieben (welch Seltenheit) 

Sehr gut restauriert und bis auf ein paar Kleinigkeiten fertig zum Lackieren.

Noch `n Kaffe getrunken, bezahlt und ab mit der "Beute" nach hause.

 

Und nun der größte Hammer!

Auf der Rückfahrt machten wir halt an einer Raststätte, direkt neben einer Gruppe Motorradfahrer, die sich auf einer gemeinsamen Ausfahrt befand. Natürlich kamen  wir sofort ins Gespräch, hatten sie doch das Boot auf dem Anhänger entdeckt. Woher das Teil, für welches Motorrad, wie teuer usw. Alles war schnell beantwortet und nun der Hammer: Bot mir doch einer aus der Gruppe 300 € für das Teil und das Angebot war durchaus ernst gemeint, wie man den Reaktionen seiner Begleiter entnehmen konnte.Es gab keinerlei Widerspruch.. Suchte der doch schon lange einen Seitenwagen für seine BMW.

Ich lehnte natürlich ab. Aber man muss sich einmal vorstellen, ich hätte mal eben 130 € Gewinn machen können

Ich hatte also nicht zuviel ausgegeben für die Schüssel.

Wieder zu hause und da stand das Teil.

 Der "Neue"

 

Am Montag gleich zu Öser, dem Lackierer gebracht und  das "Schönmachen" in Auftrag gegeben.

Und hier das Ergebnis:  

 

 

                                                                                      Ein gelungenes Teil

 

Öser, der Künstler, hat auch gleich die Linierung angebracht

Den alten "Schneckenschlafplatz" musste ich natürlich entsorgen.

Für den neuen Sitz und die Rückenlehne habe ich mir aus wasserfestem Sperrholz die Unterlagen gebaut und die dann zum Beziehen zu Peter Gabers (Grüße von hier aus!), dem  Polsterer, gebracht.

Als kleines highlight hat er mir den Keder im  gleichen Farbton wie den des Beiwagens gemacht.  

 

Vornehm geht die Welt zugrunde!

 

Aber vorher wollen wir noch ein paar Runden mit unseren Böcken drehen,gelle!

 

Bet dorhin , hol di stief un blievt braesig!

 

Euer Budelmann   

 

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